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Die Geschichte von GOLLNER
Unter Herrn Kommerzialrat Matthäus Gollner erhielt der Betrieb eine zielbewusste Führung. Mit Tatkraft, Umsicht und gediegenem Fachwissen stattete er den Betrieb sowohl in baulicher als auch in maschineller Hinsicht entsprechend aus und führte die Unternehmungen in Haslach und in Helfenberg zu Spitzenbetrieben des oberen Mühlviertels. Heute zählt das Unternehmen GOLLNER zu den ältesten und bedeutendsten Textilunternehmen des Mühlviertels. Das Unternehmen wurde 1840 von Matthäus Gollner, dem Urgroßvater von Ernst Gollner in Sarleinsbach gegründet. 1876 übernahm der Sohn des Gründers Franz Gollner, den Betrieb. Er übergab diesen im Jahr 1905 seinem Sohn Matthäus Gollner. Vom Gründer und dessen Nachfolgern wurde der Betrieb als handwerkliche Leinenweberie und Erlags Vertrieb mit einer angeschlossenen Bleichere geführt. Ein erwähnenswertes Detail ist die Jahreszahl der Gründung der Firma Gollner.
Das Unternehmen Gollner wurde 1840 gegründet, in jenem Jahr als die Fabrik Helfenberg ihre ersten Mauern erhielt. Damals waren etwa 200 Betriebs und Handweber beschäftigt. Die fortschreitende Technik zwang Gollner, seinen Handwerksbetrieb zu mechanisieren.
Er übersiedelte daher 1912 nach Haslach, das schon damals als Sitz der oberösterreichischen Leinenindustrie galt. Hier waren die Voraussetzungen für eine Mechanisierung und Vergrößerung des Unternehmens sowohl von der Verkehrslage als auch vom Arbeitskräftepotential her gesehen wesentlich günstiger als in Sarleinsbach.
In Haslach wurden die ersten 50 mechanischen Webstühle und eine für die Ausrüstung der damals hauptsächlich erzeugten Mühlviertler Leinen notwendige schwere Mange aufgestellt. Nah der Erwerbung der Fabrik Helfenberg 1919 wurde in dieser eine neue Stückbleiche eingerichtet und die Weberei durch Aufnahme von Lohnarbeit wieder beschäftigt. Die verfallenden Gebäude wurden instandgesetzt. Mitte der 20er Jahre übersiedelte man die Färberei aus dem Webereigebäude in ihren jetzigen Arbeitsraum über der Bleiche. Damals wurde auch schon der Raum für die vorgesehene Unterbringung einer Appretur geschaffen. Der im Webeigebäude durch Verlegung der Färberei frei gewordene Traum wurde als zweiter Websaal eingerichtet und nahm 48 breite Stühle auf, sodass jetzt insgesamt 120 Webstühle betriebsbereit zur Verfügung standen.
Während des zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 wurde die Weberei reorganisiert. Durch den Einbau von Kettenfaden- und Schußfaden-Wächtern, die Verwendung von Großraumschützen und durch Einzelantrieb der Webstühle wurden diese zu leistungsfähigen Halbautomaten. Der Nutzeffekt konnte von 62-64 % auf 82+84 %, also um ein Fünftel angehoben werden. Durch diese Rationalisierungsmaßnahmen war es möglich, von Vierstuhlsystem auf das Achtstuhlsystem bei schmalen Webstühlen und auf das Sechsfachsystem bei breiten Stühlen überzugehen. Das heißt, dass ein Weber anstatt vier Stühle und die doppelte Anzahl bzw. sechs Stühle bedienen konnte, die genannten Investitionen brachten eine starke Produktivitätssteigerung.
Das Jahr 1945 und die Nachkriegszeit stellte die Firma Gollner vor große Probleme. Durch die sowjetische Besetzung des Mühlviertels waren größere Investitionen ein ausgesprochenes Risiko. Die politische Lage war labil und spitzte sich durch die Auseinandersetzungen der westlichen Großmächte mit der Sowjetunion oftmals dramatisch zu. Die Nachkriegsjahre brachten den Eisernen Vorhang und den Kalter Krieg. Es war daher unmöglich, dem Textilbetrieb die so nötige Modernisierung angedeihen zu lassen. Im Jahre 1951 verstarb Kommerzialrat Matthäus Gollner nach einem arbeitsreichen, schaffensvollen und erfüllten Leben, Sein Neffe, Herr Ernst Gollner, der den ganzen Krieg als Frontsoldat mitgemacht hatte, übernahm nun die Führung der Unternehmens.
Ihm standen zwei Werke mit zusammen 170 mechanischen Webstühlen und allen für die Produktion von Leinen- und Baumvollgeweben erforderlichen Hilfs- und Ausrüstungsmaschinen zur Verfügung, doch galt der Maschinenpark wegen der fehlenden Erneuerungen während der Kriegs- und Nachkriegszeit als veraltet und technisch überholt. Durch die bereits erwähnte russische Besatzung und die zweifelhafte politische Situation geriet die Mühlviertler Industrie gewaltig ins Hintertreffen, während die westösterreichische Textilindustrie unmittelbar nach Kriegsende mit der Modernisierung ihrer Betriebe beginnen konnte. Erst nach Unterzeichnung des Staatsvertrages am 15. Mai 1955 und nach Abzug der Besatzungsmächte war auch im Mühlviertel der Freiraum geschaffen, den die heimische Industrie zu ihrer Entfaltung so dringend nötig hatte. Ernst Gollner nahm nun mit ganzer Kraft die Erneuerung des Maschinenparks und alle sonstigen erforderlichen Rationalisierungsmaßnahmen in Angriff. Als erste Maßnahme zur Leistungssteigerung wurden im Jahre 1956 alle alten Vorbereitungsmaschinen der Weberei durch Modelle neuester Bauart ersetzt.
Als zweite Investitionswelle erfolgte die vollständige Erneuerung aller Ausrüstungsmaschinen. Um die Versorgung mit kalorischer und elektrischer Energie sicherzustellen, wurde ein moderner Ölfeuerungsdampfkessel angeschafft und in der Radstube des ehemaligen Wasserrades eine leistungsfähige Francisturbine mit Generator aufgestellt. Aus Gründen der Konzentration wurde schließlich der Haslacher Webereibetrieb in das Hauptwerk nach Helfenberg verlegt und ab 1958 alle mechanischen Webstühle durch moderne Webautomaten ersetzt. Die Kosten für die gesamte Betriebserneuerung beliefen sich damals auf etwa 20 Millionen Schilling (1,5 Millionen Euro), die aus betriebseigenen Mitteln aufgebracht wurden.
Dieser Betrag ist in Relation zum heutigen Preisniveau gigantisch und das beachtliche Aufbauwerk eine hervorragende Leistung des Gesamtunternehmens. Natürlich blieben die geschilderten Innovationen nicht ohne Auswirkung auf die Produktivität, die in erheblichem Maße gesteigert wurde. Mit 50 Webautomaten wurden nun (1966) mehr als doppelt so viele Meter Ware erzeugt als vor vierzig Jahren mit 120 gewöhnlichen mechanischen Webstühlen. Und dies, obwohl sich die Belegschaft von 180 Mitarbeitern im Jahr 1926 auf 90 verminderte.
Nach mehreren Besitzwechsel in den letzten Jahrzehnten wurde 2001 das gesamte Areal der Fabrik Helfenberg, mit rund 40.000m² gekauft. Nach dem Leitsatz “Tradition & Innovation” wurden zahlreiche Revitalisierungs- Projekte in Angriff genommen. Renovierungen, Um- und Ausbauten. Und es werden weitere folgen. Dem traditionsbewussten und innovativen Eigentümer und seinem Team ist es zu verdanken, dass der historischen Fabrik Helfenberg wieder Leben eingehaucht wurde.. Neben architektonischen Schätzen findet man in und um die Fabrik
Textilproduktion und Vertrieb
Textilforschung und Entwicklung
Veranstaltungsräume für Ausstellungen, Konzerte, Kunst und Kultur
Gastronomie
sowie eine der faszinierendsten und schönsten Modelleisenbahnen Österreichs
Die Bedeutung der Textilindustrie für den Raum Helfenberg ist grundlegend. Besonders „die Fabrik“ ist allen Bewohnern unserer Gegend nicht nur historischer Begriff, sondern als Wirtschaftsfaktor für Bevölkerung und Gemeindeverwaltung nicht mehr wegzudenken, diese zentrale Stellung, die sich Leitung und Belegschaft unserer heimischen Textilunternehmungen in Jahrzehnten voll Arbeit, Sorgen, Mühen und Entbehrungen – aber auch mit Mut und Freude geschaffen haben, findet auch Ausdruck im Gemeindewappen von Helfenberg, das ein Weberschiffchen in seinem Bilde zeigt.
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